Was ist ein Silber-Squeeze?

Zur Zeit schnellt der Silberpreis in ungeahnte Höhen. Handelt es sich um einen Squeeze? Wir klären auf.
Im Januar 2026 überschritt Silber zum ersten Mal die Marke von 100 $ pro Unze. Der Begriff „Silver Squeeze“ ist wieder aufgetaucht, während die Silberpreise weiterhin Rekorde brechen und Versorgungsengpässe die Schlagzeilen bestimmen. Doch was verbirgt sich wirklich hinter diesem Konzept?
Die Zusammenfassung:
- Seit 2025 ist der Silberpreis um über 150 % nach oben geschnellt.
- Manche Analysten meinen deshalb, dass sich die Anzeichen für einen physischen Silber-Squeeze verdichten.
- Dabei handelt es sich um eine Marksituation, die sich durch eine extrem hohe Nachfrage auszeichnet, die oft durch Kleinanleger in Foren wie zum Beispiel Reddit befeuert wird. Andere Anleger, die auf fallende Silberkurse setzen (“shorten”) müssen ihre Positionen in der Folge mit Verlusten schließen, was den Preisanstieg weiter befeuert.
Was ist ein Silber-Squeeze?
Ein Silber-Squeeze bzw. Silver Squeeze ist ein Marktphänomen, bei dem Investoren den Preis in die Höhe treiben, indem sie große Mengen an physischen Silberprodukten kaufen. Dieser koordinierte Ansatz führt dazu, dass die Nachfrage nach Silber schneller steigt als das verfügbare Angebot.
Dies führt zu Marktstress in Form von drastischen Preisbewegungen, Lieferverzögerungen oder ungewöhnlich hohen Aufschlägen (Prämien) auf physisches Silber.
Es handelt sich im Wesentlichen also um einen Versuch von Privatanlegern, den Silberpreis koordiniert nach oben zu treiben.
Historische Beispiele für einen Silver Squeeze
Der Begriff ist Silber-Squeeze spukt schon seit vielen Jahren auf dem Edelmetallmarkt herum. Bereits 1980 verursachten die Hunt-Brüder den ersten Silver Squeeze.
Sie versuchten, den Silbermarkt zu beherrschen, indem sie riesige Mengen an physischem Silber aufkauften. Die Preise schossen um mehr her als 700 % nach oben – von etwa 6 $pro Unze im Jahr 1979 auf fast 50$ pro Unze Anfang 1980.
Die Regulierungsbehörden verschärften daraufhin die Handelsregeln, um die fremdfinanzierten Käufe einzudämmen. Die Preise begannen zu sinken, was zum „Silver Thursday“ führte – einem Tag, an dem der Silbermarkt um mehr als 50 % einbrach.
Ähnliche, wenn auch weniger extreme Bewegungen, ereigneten sich auch im Jahr 2011.
Ein echter Silver Squeeze beinhaltet typischerweise:
- Schwere globale Defizite an physischem Silber
- Eine starke Divergenz zwischen Silber- und Goldpreisen
- Rasante Veränderungen bei den Leasingraten und der Lieferverfügbarkeit
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Wiederholt sich ein Silver Squeeze auch im Jahr 2026?
Ein Blick auf die Schlagzeilen genügt: Silber ist innerhalb von sechs Monaten um 170 % gestiegen, von 38,79 $pro Unze im Juli 2025 auf 105,08$ pro Unze im Januar 2026. Die Preise erreichten Allzeithochs und die Nachfrage explodierte.
Zudem ist Silber seit mehreren Jahren mit strukturellen Angebotsdefiziten konfrontiert. Marktexperten warnen schon lange vor einem physischen Silbermangel. Der globale Silbermarkt verzeichnete in den letzten sechs Jahren ein jährliches Defizit von rund 168 Millionen Unzen, und dieser Trend zeigt auch 2026 keine Anzeichen einer Entspannung. Ein jährliches Defizit von 100 bis 200 Millionen Unzen ist auf Dauer nicht tragbar.
Irgendwann könnten die leicht verfügbaren oberirdischen Silbervorräte zur Neige gehen. Das Problem ist, dass niemand genau weiß, wie viel zugängliches Metall noch vorhanden ist. Diese Ungewissheit macht es schwierig vorherzusagen, wann der Angebotsdruck kritisch wird.
Klingt das nicht nach einem Silber-Squeeze?
Die Realität ist nuancierter
Die Daten zeichnen ein komplizierteres Bild. Was sich hier abzeichnet, scheint eher ein moderates Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu sein, das durch regionale Faktoren und das Anlegerverhalten verschärft wird.
Diese Faktoren sprechen gegen den Silber-Squeeze
- Das Gold-Silber-Verhältnis bleibt hoch: Wäre dies ein echter Squeeze, würde das Verhältnis kollabieren, da die Silberpreise völlig entkoppelt von Gold steigen würden. Stattdessen bewegen sich Silber und Gold größtenteils im Gleichschritt . Gold überschritt im Januar 2026 den bedeutenden Meilenstein von 5.000 $/Unze.
- Der physische Silbermangel ist lokal begrenzt: Die Bedingungen sind zwar angespannt, aber ein Silver Squeeze, der auf einem globalen physischen Mangel basiert, deutet sich bislang nicht ab.
- Allzeithochs sind relativ: Während Silber in Dollar gemessen Allzeithochs erreicht hat, liegen diese inflationsbereinigt immer noch unter den Spitzenwerten von 1980 und 2011. Real gesehen wird Silber also weiterhin unter historischen Extremwerten gehandelt.
- Geringfügige Änderungen erschüttern den Markt noch immer: Im Oktober 2025 fiel Silber über Nacht um fast 5 %, nachdem die Börse in Shanghai die Margin-Anforderungen erhöhte und eine Welle von Zwangsverkäufen auslöste. Wäre dies ein echter Squeeze, würden bescheidene regulatorische Änderungen den Preis kaum so stark nach unten korrigieren.
Das passiert tatsächlich auf dem Silbermarkt
Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt: Der Silbermarkt ist angespannt, aber er funktioniert noch. Die Preisbewegungen werden durch strukturelle Angebotsengpässe, eine starke Investmentnachfrage und regionale Ungleichgewichte getrieben – und nicht durch einen globalen Zusammenbruch des Angebots.
- Begrenztes Angebotswachstum: Das meiste Silber wird als Nebenprodukt anderer Metalle gewonnen, was die Geschwindigkeit begrenzt, mit der das Angebot auf höhere Preise reagieren kann.
- Regionale physische Knappheit: Silber ist weltweit verfügbar, aber der Zugang variiert je nach Region. Eine starke asiatische Nachfrage kann zu temporären Engpässen, höheren Aufschlägen oder Lieferverzögerungen in westlichen Märkten führen.
- Schrumpfende Lagerbestände: Die Londoner Silbervorräte sind so tief gefallen, dass die Leasingraten auf über 30 % stiegen – ein klares Zeichen von Stress. Analysten schätzen nun, dass weniger als 130 Millionen Feinunzen auf dem Londoner Markt frei zirkulieren.
- Hohe Prämien: Der Spot-Preis für Silber kann über den Futures liegen, was die regionale Knappheit widerspiegelt.
Fazit: Die Lage ist angespannt, aber (noch) kein Silbersqueeze
Es gibt Marktspannungen, aber ein umfassender Squeeze ist (noch) nicht in Sicht.
- Angebotsdefizite sind entscheidend: Langfristige physische Engpässe beeinflussen Preise, Prämien und Volatilität.
- Die regionale Nachfrage ist zentral: Asiatische Märkte treiben derzeit den Großteil der Preisbewegung an.
- Anlegerverhalten verstärkt die Volatilität: Spekulationen können temporäre Spitzen verursachen, auch ohne echten Mangel.
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