US-Wahlen und Goldpreis: Was bedeuten die Midterms 2026?

The Spotlight

7 Minuten Lesezeit

30. Okt. 2026

Am 3. November 2026 entscheiden die US-Wähler, wie viel Rückhalt Donald Trump künftig im Kongress hat. Für Goldanleger geht es dabei um mehr als um einen Wahlsieger: Neue Mehrheiten können die Steuer- und Ausgabenpolitik verändern und damit auch Zinsen und Dollar bewegen.

Am 3. November 2026 entscheiden die US-Wähler, wie viel Rückhalt Donald Trump künftig im Kongress hat. Für Goldanleger geht es dabei um mehr als um einen Wahlsieger: Neue Mehrheiten können die Steuer- und Ausgabenpolitik verändern und damit auch Zinsen und Dollar bewegen.

Ein Blick auf frühere US-Wahlen hilft, die Entwicklung des Goldpreises rund um den Wahltermin einzuordnen. Wir vergleichen die letzten vier Zwischenwahlen und untersuchen, was die möglichen Wahlausgänge 2026 für Gold bedeuten könnten. Dabei betrachten wir auch den Goldpreis in Euro: Wechselkurse können dafür sorgen, dass ein Kursgewinn in Dollar für europäische Anleger deutlich kleiner ausfällt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 3. November 2026 werden alle Sitze im Repräsentantenhaus und 35 Senatssitze gewählt. Das Amt des Präsidenten steht nicht zur Wahl.
  • Für Gold zählt, wie sich der Wahlausgang auf Erwartungen zu Zinsen, Inflation und Staatsfinanzen auswirkt.
  • Nach der Wahl 2022 stieg Gold innerhalb von drei Monaten rund 12,6 Prozent in Dollar, aber nur 4,8 Prozent in Euro.
  • Eine feste Regel für Goldkäufe lässt sich aus früheren Wahlen nicht ableiten. Auch Zentralbankkäufe und geopolitische Konflikte beeinflussen den Preis.

Was wird bei den US-Zwischenwahlen 2026 gewählt?

Die Midterms finden in der Mitte der vierjährigen Amtszeit des US-Präsidenten statt. Am 3. November 2026 werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze gewählt. Beide Kammern bilden den Kongress, der über Gesetze und den Bundeshaushalt entscheidet.

Derzeit haben die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit. Die Sitzverteilung mit Stand 15. Oktober 2026:

Vor den Midterms 2026 halten die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Stand: 15. Oktober 2026.
House Press Gallery und US-Senat.

Verliert Trumps Partei eine oder beide Kammern, braucht er für viele Vorhaben mehr Unterstützung aus der Opposition. Behält sie beide Mehrheiten, lassen sich gemeinsame Pläne leichter voranbringen. Ein Wahlsieg allein garantiert jedoch nicht, dass sich die Partei auf alle Vorhaben einigt.

Wie entwickelte sich Gold rund um frühere Midterms?

Ein Blick auf die Zwischenwahlen von 2010, 2014, 2018 und 2022 zeigt, wie unterschiedlich Gold in den Monaten rund um eine Wahl abschneiden kann. Wir vergleichen jeweils vier Zeitpunkte: einen Monat davor, den Wahltag sowie einen und drei Monate danach.

Goldpreisentwicklung rund um die US-Zwischenwahlen 2010, 2014, 2018 und 2022 in Dollar und Euro. Vier Stichtage je Wahljahr, jeweils mit dem Wahltag als Index 100.
Westmetall, SD Bullion und EZB; eigene Berechnung.

So ist die Grafik zu lesen: Der Goldpreis am Wahltag ist für beide Währungen auf 100 gesetzt. Ein Wert von 110 entspricht einem Anstieg um 10 Prozent gegenüber diesem Stichtag. Die Linien verbinden vier ausgewählte Zeitpunkte und zeigen keinen täglichen Kursverlauf. Grundlage sind die Londoner Vormittagsfixings von Westmetall, abgeglichen mit SD Bullion. Die Euro-Werte wurden mit den EZB-Referenzkursen desselben Tages berechnet. Da Gold- und Devisenkurs zu unterschiedlichen Uhrzeiten erfasst werden, sind diese Euro-Werte keine handelbaren Kaufpreise.

Was Anleger daraus mitnehmen können

Drei Monate nach den Wahlen von 2014, 2018 und 2022 lag Gold sowohl in Dollar als auch in Euro über dem Wert des Wahltags. 2010 war der Dollarpreis dagegen gesunken, während der Euro-Wert fast unverändert blieb.

Besonders deutlich wird der Einfluss der Währung im Jahr 2022: Aus 12,6 Prozent Plus in Dollar wurden für Anleger im Euroraum nur 4,8 Prozent. Der schwächere Dollar dämpfte den Gewinn in Euro. Wer Gold besitzt, sollte deshalb auch den Wechselkurs betrachten, wenn Schlagzeilen von steigenden Preisen berichten.

Die Wahl war zudem nie das einzige Ereignis in diesen Zeiträumen:

Vier Wahljahre reichen nicht aus, um einen verlässlichen Zusammenhang zwischen Wahlsieger und Goldpreis zu belegen. Auch eine Analyse des World Gold Council zu US-Präsidentschaftswahlen ergab keinen statistisch belastbaren Zusammenhang zwischen der siegreichen Partei und der Goldpreisentwicklung. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige Ergebnisse.

Und was geschah bei der US-Wahl 2024?

Vor der Präsidentschaftswahl erreichte Gold am 31. Oktober 2024 ein damaliges Rekordhoch von 2.790,15 USD. Am 14. November fiel es im Tagesverlauf auf 2.536,71 USD. Die von Reuters berichteten Werte sind Spotpreise, keine Vormittagsfixings wie in unserer Tabelle.

Warum können US-Wahlen den Goldpreis bewegen?

Für den Goldmarkt ist entscheidend, welche wirtschaftlichen Folgen Anleger von einer neuen Mehrheit erwarten. Dabei wirken mehrere Kräfte zugleich.

  • Unsicherheit: Bleibt der politische Kurs offen oder verschärft sich ein Konflikt, suchen manche Anleger Schutz in Gold. Diese Nachfrage kann den Preis stützen. Der oft genannte „sichere Hafen“ schützt jedoch nicht vor Kursverlusten.
  • Zinsen: Gold zahlt keine Zinsen. Bieten Anleihen nach Abzug der erwarteten Inflation höhere Erträge, steigt der Anreiz, verzinste Anlagen zu halten. Solche um Inflation bereinigten Renditen heißen Realrenditen. Sinkende Realrenditen können Gold dagegen attraktiver machen.
  • Dollar: Ein stärkerer Dollar verteuert Gold für Käufer mit anderen Währungen, wenn der Goldpreis in Dollar gleich bleibt. Das kann die Nachfrage bremsen. Für einen bereits vorhandenen Goldbestand im Euroraum erhöht derselbe Wechselkurseffekt hingegen den Euro-Wert.
  • Staatsfinanzen: Höhere Ausgaben oder niedrigere Steuern können Wachstum und Nachfrage fördern. Wachsen zugleich die Sorgen über Inflation und Schulden, kann Gold als Absicherung gefragt sein. Steigende Realrenditen könnten diesen Effekt aber abschwächen.

Für Ihren Bestand ist deshalb der Goldpreis in Euro die passende Bezugsgröße. Unser Jahresrückblick zum Goldpreis in verschiedenen Währungen zeigt, warum dieselbe Marktbewegung je nach Währung zu einem anderen Ergebnis führt.

Trump und der Goldpreis: Was steht 2026 im Fokus?

Trump wirbt im Wahlkampf um Unterstützung für die Kandidaten seiner Partei. Anfang Oktober berichtete Reuters über seine Auftritte in Texas und Oklahoma. Für Gold sind vor allem drei Bereiche seiner Politik relevant.

Zölle und Preise

Zölle können Waren verteuern und den Druck auf die Verbraucherpreise erhöhen. Ein Forschungsbeitrag bei der New York Fed vom 6. Oktober 2026 zeigt, dass die seit 2025 erhobenen Zölle auch Preise von Waren aus US-Produktion erhöhen können.

Für Gold ergeben sich daraus zwei gegenläufige Einflüsse: Die Sorge um Kaufkraft kann die Nachfrage stärken. Reagiert die Fed mit höheren Zinsen, können verzinste Anlagen an Reiz gewinnen.

Forderungen nach niedrigeren Zinsen

Nach dem Zinsbeschluss im September verlangte Trump laut Reuters erneut deutlich niedrigere Zinsen. Seine Forderungen ändern den Leitzins jedoch nicht. Für Gold zählen die Entscheidungen der Fed und die Frage, welche weiteren Schritte der Markt erwartet.

Steuern, Ausgaben und Schulden

Das Haushaltsbüro des Kongresses, CBO, schätzt das Defizit im US-Haushaltsjahr 2026 auf rund 2,0 Billionen Dollar. Neue Mehrheiten entscheiden mit darüber, welche Steuer- und Ausgabenpläne künftig umgesetzt werden.

Für den Goldpreis kommt es auch auf deren Finanzierung an. Mehr Schulden können Sorgen um die Staatsfinanzen wecken. Steigen zugleich die Renditen von Staatsanleihen, entsteht jedoch eine mögliche Belastung für Gold.

Drei Wahlausgänge: Was könnten sie für Gold bedeuten?

Ob die Republikaner gewinnen, der Kongress geteilt wird oder die Demokraten beide Kammern übernehmen: Keines dieser Ergebnisse gibt für sich allein die Richtung des Goldpreises vor. Die folgenden Szenarien zeigen, welche Entwicklungen jeweils relevant wären.

Drei mögliche Mehrheitsverhältnisse nach den Midterms 2026: Republikaner oder Demokraten kontrollieren beide Kammern, oder jede Partei führt eine Kammer. Donald Trump bleibt in allen drei Szenarien Präsident.

Die Republikaner behalten beide Kammern

Trump könnte gemeinsame Steuer- und Ausgabenpläne mit seiner Partei leichter umsetzen. Für die Märkte würde damit stärker in den Vordergrund rücken, welche Vorhaben tatsächlich beschlossen werden und wie sie finanziert sind.

Erwarten Anleger dadurch mehr Inflation oder höhere Defizite, könnte die Nachfrage nach Gold zunehmen. Ein klarer politischer Kurs könnte zugleich Unsicherheit abbauen. Steigende Realrenditen oder ein stärkerer Dollar könnten den Goldpreis in Dollar belasten. Zu beobachten wäre deshalb vor allem, wie sich die Haushaltspläne auf Zins- und Inflationserwartungen auswirken.

Republikaner und Demokraten kontrollieren je eine Kammer

Ein geteilter Kongress würde mehr Kompromisse erfordern. Größere Steuer- und Ausgabenpakete könnten schwerer durchzusetzen sein. Das könnte neue Ausgaben begrenzen, aber auch Haushaltsverhandlungen verlängern.

Für Gold wäre entscheidend, wie solche Verhandlungen verlaufen. Ein tragfähiger Kompromiss könnte Sorgen um die Staatsfinanzen mindern. Anhaltender Streit könnte dagegen den Wunsch nach Absicherung stärken. Welche Wirkung überwiegt, würde auch von Zinsen und Dollar abhängen. Für Anleger wären konkrete Haushaltsvereinbarungen daher aufschlussreicher als die bloße Nachricht, dass jede Partei eine Kammer kontrolliert.

Die Demokraten gewinnen beide Kammern

Trump bliebe Präsident, hätte aber in beiden Kammern eine Mehrheit der anderen Partei gegen sich. Seine Gesetzesvorhaben könnten dadurch auf mehr Widerstand stoßen. Umgekehrt könnten auch die Demokraten ihre Pläne nicht ohne Weiteres durchsetzen, da der Präsident sein Vetorecht behält.

Für Gold wäre relevant, ob daraus längere Konflikte oder tragfähige Kompromisse entstehen. Konflikte könnten die Nachfrage nach Absicherung erhöhen; eine Einigung könnte sie dämpfen. Auch hier bestimmen Wachstum, Zinsen und Dollar mit. Aus einem demokratischen Wahlsieg allein lässt sich deshalb kein höherer oder niedrigerer Goldpreis ableiten.

Was bewegt Gold unabhängig von der Wahl?

Während in den USA gewählt wird, handeln andere Marktteilnehmer nach ihren eigenen Zielen. Zentralbanken etwa kaufen Gold, um ihre Reserven breiter aufzustellen. Für August 2026 meldet der World Gold Council Nettokäufe von 39 Tonnen. Gemeint sind gemeldete Käufe abzüglich Verkäufen, keine vollständige Schätzung aller Aktivitäten.

Auch geopolitische Entwicklungen wirken über den Wahltermin hinaus. Am 8. Oktober erklärte Trump laut Reuters, vor den Midterms keinen Angriff auf Iran zu starten. Für den Markt zählt aber auch, ob sich Spannungen tatsächlich lösen und wie dauerhaft eine Entspannung wäre.

Bei den Zinsen ist schon vor der Wahl ein weiterer Termin wichtig: Am 27. und 28. Oktober tagt die Fed. Zuletzt erhöhte sie ihren Zielkorridor am 16. September auf 3,75 bis 4,00 Prozent und verwies auf die weiterhin erhöhte Inflation. Neue Beschlüsse können den Goldpreis somit bereits bewegen, bevor die Stimmen ausgezählt sind.

Was bedeutet das für Ihren Goldbestand?

Die Midterms können Anlass sein, den eigenen Anlageplan zu prüfen. Wer Gold langfristig hält, braucht jedoch für eine Kaufentscheidung mehr als eine Erwartung zum Wahlsieger. Drei Fragen helfen bei der Einordnung:

  • Wie groß ist Ihr Goldanteil bereits? Ein weiterer Kauf sollte zur Aufteilung Ihres Vermögens passen.
  • Wann könnten Sie das Geld benötigen? Muss Gold kurzfristig verkauft werden, kann ein ungünstiger Kurs besonders ins Gewicht fallen.
  • Welche Kosten entstehen? Bei Barren und Münzen zählen neben dem Goldpreis auch Aufgeld, der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufspreis sowie mögliche Lagerkosten.

Wer ohnehin regelmäßig Gold kaufen möchte, kann den Einstieg auf mehrere Termine verteilen. Dadurch hängt weniger vom Kurs eines einzelnen Tages ab. Ein günstigerer Durchschnittspreis oder ein Gewinn ist damit nicht garantiert.

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Die Midterms können die Märkte kurzfristig bewegen. Für eine langfristige Goldanlage kommt es darauf an, welche politischen Entscheidungen über den Wahltag hinaus wirken. Wer diese Entwicklungen einordnet und den eigenen Anlageplan im Blick behält, hat eine bessere Grundlage für Entscheidungen als mit einer Vermutung über den nächsten Wahlsieger.

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