Warum fällt der Goldpreis?

Wenn es um Investitionen in Gold geht, haben Sie zweifellos schon den Begriff „sicherer Hafen“ (Safe-Haven-Asset) gehört. Das klingt beruhigend. Es klingt nach Sicherheit. Aber die letzten sechs Monate verliefen für Gold eher turbulent.
Noch im späten Januar erreichte Gold ein Allzeithoch von rund 5.594 USD/Unze. Dies folgte auf einen steilen Anstieg ab August 2025, als die Preise noch um die Marke von 3.300 USD/Unze pendelten.
Bis Anfang August 2026 war Gold jedoch auf rund 4.000 USD/Unze zurückgegangen – ein Rückgang von 25 bis 28 % innerhalb von sechs Monaten.
Warum ist Gold abgestürzt?
Experten sind der Meinung, dass der Grund für die Preiskorrektur auf verschiedene, miteinander verbundene Faktoren zurückzuführen ist.
1. Eine restriktivere US-Notenbank (Federal Reserve)
Während sich der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh bedeckt über die zukünftigen Leitzinsen hielt, wurden die Zinssätze dennoch vorerst bei 3,50 % bis 3,75 % belassen. Tatsächlich preisen die Märkte für 2026 keine Zinssenkungen ein, und es besteht die Möglichkeit von Zinserhöhungen im Laufe des Jahres.
All dies bedeutet, dass Anleger mit anderen Anlagen bessere Renditen erzielen können. Plötzlich wird das Halten von Gold – das weder Zinsen noch Dividenden einbringt – weniger attraktiv.
Hier kommen dann die Kräfte von Angebot und Nachfrage ins Spiel, da Verkäufer die Preise senken, um eine kleinere Gruppe von Käufern anzusprechen.
2. Ein stärkerer US-Dollar
Nachdem das Jahr 2026 auf einem Vierjahrestief begonnen hatte, konnte sich der Dollar in den letzten Monaten dank höherer Zinssätze, stärkerer Treasury-Renditen und steigender Ölpreise wieder etwas erholen.
Da Gold in USD gepreist (bzw. bewertet) wird, besteht in der Regel eine inverse Beziehung zwischen den beiden. Wenn der Dollar steigt, wird Gold für ausländische Investoren teurer, was sich auf die globale Nachfrage und damit auf die Preise auswirkt.
3. Gewinnmitnahmen und ETF-Abflüsse
Nach einer Rallye ist es verständlich, dass sich Anleger dafür entscheiden, einige Gewinne mit einer Runde von Gewinnmitnahmen zu sichern.
Unabhängig davon, ob sie in physisches Gold oder in ETF-Anteile investiert haben, führt die plötzliche Verkaufswelle dazu, dass Gold wieder auf den Markt geworfen wird, woraufhin die Preise fallen. Wieder einmal greifen Angebot und Nachfrage.
4. Geopolitik
Während politische Unruhen typischerweise dazu führen, dass mehr Investoren Gold kaufen und die Preise infolgedessen steigen, hat sich dies während des diesjährigen US-Iran-Konflikts nicht so abgespielt.
Stattdessen haben steigende Ölpreise zu erneuten Inflationsängsten geführt. Dies wiederum hat die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Zentralbanken die Zinssätze beibehalten oder anheben, was andere Anlageoptionen erneut attraktiver erscheinen lässt als Gold.
Zyklische Korrektur oder Zeichen eines Kollaps?
Anleger mögen zwar nervös sein, aber bei Anlagen wie Gold ist es wichtig, den Blick auf die langfristige Entwicklung zu richten.
Im Jahresvergleich liegt Gold um fast 38 % im Plus – von 3.376 USD/Unze am 25. August 2025 auf 4.652 USD/Unze am selben Tag im Jahr 2026.
Insgesamt zeigt der Trend weiterhin nach oben, was darauf hindeutet, dass es sich bei diesem Rücksetzer um eine zyklische Goldkorrektur handelt, die hauptsächlich durch Zinserwartungen angetrieben wird.
Historische Rücksetzer bei Gold
- 1970er Jahre: Zwischen 1971 und Anfang 1980 schossen die Goldpreise von rund 35 USD/Unze auf 850 USD/Unze nach oben. Das war jedoch keineswegs eine ruhige Fahrt. Unterwegs gab es mehrere Goldkorrekturen im Bereich von 20 % und einen Rücksetzer von fast 45 % zwischen 1975 und 1976. Natürlich erholten sich die Preise und erreichten im Anschluss neue Höchststände.
- 2008: Inmitten der globalen Finanzkrise fiel Gold von rund 1.000 USD/Unze auf etwa 700 USD/Unze – ein Rückgang von 30 % innerhalb von acht Monaten. Sobald die Zentralbanken jedoch mit Konjunkturprogrammen eingriffen, erholte sich Gold und erreichte 2011 einen damaligen Rekordwert.
- 2020: Als Covid ausbrach, dauerte es nur 13 Tage, bis Gold um 10 bis 12 % fiel – von 1.680 USD/Unze am 9. März auf unter 1.500 USD/Unze am 19. März. Die Preise stabilisierten sich jedoch schnell und kletterten bis August auf einen damaligen Rekordwert von 2.060 USD/Unze.
Baisse (Bear) vs. Hausse (Bull)
Wird Gold also bald schon neue Höchstände erreichen? All das hängt davon ab, ob die jüngste Bewegung der Beginn eines bärenmarktfähigen Abschwungs oder nur ein kleiner Aussetzer in einem längerfristigen Bullenmarkt ist.
Wie jedes Szenario ablaufen könnte, sehen Sie hier:

Ist es eine gute Idee, jetzt Gold zu kaufen?
Es gibt keine Möglichkeit, vorherzusagen, ob der Goldpreis bald wieder steigt. Insgesamt lässt sich jedoch festhalten, dass Gold immer noch um 38 Prozent höher liegt als noch im Vorjahr. Insgesamt zeigt es sich, dass vor allem langfristige Investoren gute Renditen erzielten, indem Sie Gold kauften.
* Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Finanz-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Der Wert von Edelmetallen kann in beide Richtungen schwanken. Die zitierten Preisdaten sind Stand 25. August 2026.