Das Silberdefizit: Das sollten Anleger beachten

Seit Jahren übersteigt die Nachfrage nach Silber das Angebot. Dieses Defizit ist einer der vielen Faktoren, welche den Silberpreis zuletzt deutlich steigen ließ. Wir haben uns die Bedeutung des Silberdefizits und seine Bedeutung für Anleger einmal genauer angeschaut.
Zusammenfassung:
- Seit 2019 übersteigt die Nachfrage nach Silber das Angebot. Mit dem Defizit gingen steigende Silberpreise einher.
- Unsere Berechnungen zeigen, dass es tatsächlich einen positiven Zusammenhang zwischen Defizit und Preis gibt. Steigt das Defizit, steigt auch der Silberpreis.
- Allerdings handelt es sich um eine recht schwache Korrelation von 0.38 mit einem Bestimmheitsgrad von 0.15. Das bedeutet, dass andere Faktoren einen deutlich größeren Preisdruck auf Silber ausüben.
- Faktoren, welche den Silberpreis beeinflussen, sind unter anderem der industrielle Verbrauch (KI und Photvoltaik) und das unflexible Angebot der Silberförderung.
Was ist das Silberdefizit überhaupt?
Viele Medien berichten über das seit Jahre wachsende Silberdefizit und wie dieses den Preis von Silber nach oben treibt. Doch bevor wir uns der Frage zuwenden, ob sich das überhaupt belegen lässt, schauen wir uns einmal an, was das Silberdefizit überhaupt ist.
Kurz gesagt: Wenn die Nachfrage nach Silber das Silberangebot übersteigt, kommt es zu einem Silberdefizit. Marktteilnehmer verbrauchen mehr Silber, als in diesem Jahr auf den Markt kam.
Auf der Angebotsseite stehen vor allem:
- Abbau von Silber: Seit 2016 wurden jährlich im Schnitt 837 Millionen Unzen Silber gefördert. Die Förderung neuen Silbers macht ca. 82 % der Angebotsseite aus. Silber ist in der Regel ein Nebenprodukt, das beim Abbau anderer Rohstoffe gewonnen wird. Dadurch reagiert die Silberförderung traditionell langsam auf steigende Nachfrage (“unflexibles Angebot”).
- Recycling: Seit 2016 kommt im Durchschnitt 178 Mio. Unzen Recycling-Silber auf den Markt. Das entspricht ca. 17 % des totalen Angebots. Recycling-Silber wird zum Beispiel aus elektronischen Geräten zurückgewonnen.
Insgesamt übersteigt die Nachfrage nach Silber das Angebot in den letzten Jahren deutlich. 2025 betrug das Defizit zum Beispiel 187,6 Millionen Unzen:

Wie beeinflusst das Silberdefizit den Silberpreis?
Viele Medien berichten, dass das wachsende Silberdefizit ein wesentlicher Preistreiber für Silber ist. Die Logik ist einleuchtend wie simpel: Wenn mehr Silber nachgefragt als produziert wird, steigt der Silberpreis.
Doch ist dies wirklich so? Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns einmal die offiziellen Daten des Silber-Instituts angeschaut und die Entwicklung des Defizits mit der Entwicklung des Preises verglichen. Dieses Verfahren, auch Korrelationsanalyse genannt, zeigt den Zusammenhang zweier Variablen:

- +-1: Wenn der Korrelationswert bei +-1 liegt, besteht ein perfekter Zusammenghang zwischen den untersuchten Variablen. Wenn Variable X mit 1 Einheit steigt/fällt, steigt/fällt auch Variable Y mit 1 Einheit.
- 0: Wenn der Korrelationswert bei 0 liegt, besteht keinerlei Zusammenhang zwischen den Variablen, das heißt, sie bewegen sich unabhängig voneineander.
- R-Quadrat (R): Es zeigt an, wie gut ein statistisches Modell zu den echten Daten passt. Ein Wert von 0 zeigt an, dass das Modell unbrauchbar ist. Ein Wert von 1 zeigt an, dass das Modell perfekt zum Datensatz passt.
Ein Blick auf die tatsächlichen Daten zeigt, dass das Silberdefizit tatsächlich einen Einfluss auf die steigende Silberpreise hat - allerdings deutlich weniger, als überwiegend berichtet wird:
- 2016 bis 2025: Die Korrelation lag bei ca. 0,38, während R bei ca. 0,14 lag. Über diesen Zeitraum betrachtet bestand also ein eher schwacher Zusammenhang zwischen dem steigenden Defizit und den steigenden Silberpreisen. Dies lag vor allem am Jahr 2025, als der Preis stark entkoppelt vom Defizit war.
- 2016 bis 2024: Mit einer Korrelation von 0,72 und einem R-Wert von 0,51 bestand ein deutlich stärkerer Zusammenhang zwischen Defizit und Preisentwicklung.
Die Zahlen zeigen: Physische Defizite erzeugen einen fundamentalen Preisdruck, aber makroökonomische Ereignisse (Geldpolitik, Inflationsspitzen, Währungsabwertung) lassen die Preise in die Höhe schnellen.
Welche anderen Faktoren beeinflussen den Silberpreis?
Unsere Analyse zeigt: Das Silberdefizit ist ein eher schwacher Indikator für die Entwicklung des Silberpreises. Andere Faktoren scheinen eine deutlich größere Rolle zu spielen:
Monetäre & Makroökonomische Faktoren
- Der US-Dollar-Kurs: Da Silber international primär in US-Dollar gehandelt wird, besteht in der Regel eine inverse Korrelation. Ein schwächerer US-Dollar macht Silber für internationale Käufer günstiger und lässt die Nachfrage und schließlich auch den Preis steigen.
- Realzinsen: Silber wirft selbst keine Zinsen oder Dividenden ab. Steigen die Realzinsen, werden verzinsliche Anlagen (wie Staatsanleihen) attraktiver, was Druck auf den Silberpreis ausübt.
- Inflation: In Zeiten hoher Inflation oder anhaltender Währungsschwäche suchen Investoren Schutz in Sachwerten, was die Investmentnachfrage nach Silber verstärken kann.
- Gold-Silber-Ratio: Silber bewegt sich historisch oft in dieselbe Richtung wie Gold. Die Gold-Silber-Ratio dient Anlegern als Bewertungskennzahl, um Phasen von Über- oder Unterbewertung zu identifizieren.
Konjunkturelle Faktoren
Im Gegensatz zu Gold ist Silber wesentlich von der industriellen Nachfrage abhängig.
- Industrieproduktion: In Zeiten starkem Wirtschaftswachstums steigt der Bedarf an Silber. Umgekehrt kann eine globale Rezession die industrielle Nachfrage bremsen.
- Zukunftsindustrien: Zukunftsindustrien wie Photovoltaik, KI und Elektromobilität treiben die industrielle Nachfrage nach Silber wesentlich an.
- Geopolitische Krisen („Sicherer Hafen“): Kriege, Handelskonflikte oder Bankenkrisen verstärken die Nachfrage nach physischen Schutzhäfen, was den Silberpreis ebenfalls nach oben treiben kann.
Zusammenfassung
Seit Jahren übersteigt die Nachfrage nach Silber das globale Angebot, doch dieses physische Marktdefizit allein erklärt den Silberpreis nicht vollständig.
Statistisch erzeugt das Defizit zwar den fundamentalen Nährboden für höhere Kurse, stellt aber nur das Fundament dar. Den eigentlichen Impuls für starke Kurssprünge liefern makroökonomische Treiber wie ein schwacher US-Dollar, fallende Zinsen, Inflation und geopolitische Krisen.
Zusätzlich treibt der enorme Bedarf aus Zukunftsbranchen wie Solar, KI und E-Mobilität die Nachfrage an.
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